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Geschichte
des Schlosses

Geschichte des Schlosses Aiello

Das große viereckige Gebäude, das nach volkstümlicher Überlieferung als Burg oder Schloss bezeichnet wurde, wurde wahrscheinlich auf einer Festung oder einem Wachturm aus patriarchalischer Zeit errichtet. Es verfügt über zwei mächtige Türme und das Vorhandensein einige Schießscharten auf der südlichen Seite könnten die Annahme stützen, dass es einst als Festung errichtet wurde. Die ersten sicheren Informationen über das Schloss stammen aus dem Jahr 1589, als die Familie Rabatta, eine adelige Familie toskanischer Herkunft aus Görz, die Festung erwarb, zu der zu dieser Zeit aller Wahrscheinlichkeit nach der Südturm mit einem ersten Gebäudeblock gehörte. Das Gebäude bliebt für 170 Jahre im Besitz der Familie Rabatta, die es während dieser langen Jahre ausbaute.

1760 wurde das Schloss an den Marquis de Bona von Ragusa (Dubrovnik, auf Kroatisch) aus Dalmatien verkauft, der es zu seinem Wohnsitz machte und es wahrscheinlich vergrößerte und so die heutige Form eines Vierecks schuf. In der Folge ging es für einige Jahre in den Besitz der Grafen von Strassoldo di Chiarmacis über, bis es schließlich im Jahr 1810 für 10.000 Augsburger Gulden von der Familie Urbanis aus San Daniele del Friuli erworben wurde. Das Schloss hatte zur damaligen Zeit auch eine dem heiligen Erzengel Michael geweihte Adelskapelle, die im 19. Jahrhundert durch einen Brand zerstört wurde. Im frühen zwanzigsten Jahrhundert zog die Familie nach Udine und das Gebäude verfiel.

Während des 20. Jahrhunderts ging das Gebäude in die Hände mehrerer Familien über, wurde aufgeteilt und für verschiedene Zwecke genutzt: als österreichische Gendarmerie, Stuhlfabrik, Kindergarten und während des Ersten Weltkriegs als Sitz eines Feldkrankenhaus, in dessen Innenhof einige Zelte zur Versorgung verwundeter Soldaten aus den Schützengräben der nahe gelegenen Front aufgestellt wurden. Aus den drei im Jahr 1946 ansässigen Familien sind heute sechs geworden und der Südflügel wird derzeit als Ferienhaus genutzt.

Das Gebäude hat seine Merkmale einer Verteidigungsstruktur verloren und bietet heute das Erscheinungsbild eines typischen Gebäudes aus dem 17. Jahrhundert, das sich zwar aufgrund der im Laufe der Zeit erfolgten Umgestaltungen und zahlreicher Restaurierungsarbeiten im Innenbereich enorm verändert, aber dennoch das solide und kraftvolle Aussehen des ursprünglichen Bauwerks beibehalten hat. In einigen Zimmer sind Deckenfresken mit Ziermotiven und einigen wertvollen Landschaftsmalereien erhalten geblieben. Die Steine, die als Basis für den Turm und den Zaun vor der Hauptfassade dienen, stammen aus den Überresten des römischen Aquileia.


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1750 - Der Ortskern von Aiello in der Mitte des 18. Jahrhunderts (aus S. Perini, La nascita della Fiera di San Carlo ad Aiello, herausgegeben vom Circolo A. Collavini – 1991 und entnommen aus F. Bianco, Le trasformazioni del paesaggio in età moderna)
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1681 – Der Stadtbezirk Aiello aus dem Grundbuch von Guglielmo Bullioni (aus S. Perini, La nascita della Fiera di San Carlo ad Aiello – Provinzbibliothek von Görz)
foto 3
1681 – Karte: Der Stadtbezirk Aiello aus dem Grundbuch von Guglielmo Bulloni (aus S. Perini, La nascita della Fiera di San Carlo ad Aiello, herausgegeben vom Circolo A. Collavini – 1991)